06.-07.02.2010 – Indoor VS in Sindlingen


Winterliche Busch-Tour nach Sindlingen

Das Schloss Sindlingen im positivem sonnigen Gelb

Der Weg nach Sindlingen zog sich über fast 4 Stunden und die Pferde waren froh, als sie dort ihre Gastboxen beziehen konnten. Wie gewohnt waren beide sofort zufrieden und mampften ihr Heu.

Nachdem wir uns am Freitag noch den Veranstaltungsort anschauten und unser Zimmer bezogen hatten, ging es Samstag los zur Dressur und späteren Springen. Der Turnierplatz war ein wenig ernüchternd. Wenn man "Schloß" hört, denkt man gleich, es ist etwas chices, pompöses was Einen erwartet. In Sindlingen allerdings parkt man einfach irgendwo am Straßenrand, hat innerhalb von Sekunden verschlammte Schuhe und der Weg zur Abreitehalle war weder geräumt noch gestreut und jeder versucht ohne Sturz auf Glatteis in die Abreite- oder Prüfungshalle zu kommen. Ich hoffe, es ist allen gelungen!

Die Dressuraufgabe war neu für mich. Man musste diese Paarweise reiten, aber nicht in einer Abteilung, sondern nach der Grußaufstellung dreht sich ein Pferd um und startet Richtung „A“ und der andere Reiter wie gewohnt Richtung „C“. Etwas gewöhnungsbedürftig, wenn einem bei der Diagonalen in der Trabverstärkung jemand entgegen kommt – aber an sich eine schöne Lösung, um die Zeit kürzer zu halten. Nur leider war es eine doofe Aufgabe die VA1. 2x Mittelzirkel, 2x Trabtritte verlängern, 2x Galoppsprünge verlängern. Zügel aus der Hand kauen lassen im Trab und Aussitzen und fertig ist die Darbietung.
Für Jackomo und mich eine denkbar ungeeignete Aufgabe, aber wir gaben uns Mühe und beendeten mit einer 5,9. Wie immer vermissten die Richter die Verstärkungen ... na ja, wir arbeiten weiter daran! ;-)

Ich hatte ja noch Teba in dieser Prüfung genannt. Diese allerdings fühlte sich scheinbar um Jahre zurück versetzt, denn sie hampelte, stieg und scheute und benahm sich wie ein unerfahrenes Jungpferd. In der Prüfung zeigte sie die Grundgangarten, aber unter großer Spannung und gespickt mit kleineren und größeren Patzern. Ich konnte kaum Aussitzen und jedes Mal wenn ich mit dem Bein zu sehr ans Pferd kam, zeigte sie spektakuläre Spannungstritte. Das gnädige Richterteam vergab hierfür noch eine 5,0.

Das war dann unsere erste Dressurerfahrung für 2010, gerade die Teilaufgabe, die ich geübt und gepaukt habe, um mich zu verbessern. Nunja, Manches dauert eben länger...



Das Dressurviereck mit VL Reitern - vorne Vorbereitungsviereck.

Um uns die Zeit zu vertreiben, ließen wir uns an den Tischen in der Reithalle nieder und konnten die Reiter der VL im Dressurteil beobachten. Beachtlich wie viele Herren - augenscheinlich Jagdreiter - sich hier zeigten. Es stimmt wohl was man so hört, dass die Jagdreiterei in Hessen niedriges Niveau hat, woanders gehört es zum guten Ton sich innerhalb der Saison hier und dort in Vielseitigkeitsprüfungen zu zeigen. Das tut sicherlich auch der Sicherheit im Jagdfeld gut, wenn die Reiter durchlässige, sinnvoll gymnastizierte Pferde haben...

Weil es recht kalt war und man sich nirgendwo richtig aufwärmen konnte, nutzen wir das Glühwein-Angebot. Als ich mir das 2. Glas holte, ging mein Appetit allerdings verloren. 3,50€ für ein Gläschen Glühwein. Ich dachte es sei Pfand auf das Glas aber nein, 3,50€ für den Inhalt. Vermutlich mischen die in BaWü Rothschild in den Bottich, das wäre jedoch nicht nötig gewesen ;)



Das ist das Glühwein-drei-fuffzich-Gesicht!

Der Springparcour hat mir sehr gut gefallen, die Warnungen in Sindlingen würde Endmaß gebaut hatten schon gruselige Bilder von riesigen Oxern und Wassergräben vor mein inneres Auge gebracht – doch der Parcour war fair gebaut, die Linienführung war einfach und die Hindernisse alle ohne Plastikunterbauten. Jackomo war wieder als erster dran und es klapperte hier und dort, in der Kombination plumpste die erste Stange und nach einem Anreitefehler am drittletzen Sprung dann die 2. Trotzdem bin ich zufrieden weil er nach einem Abreitechaos (die zweite Abteilung direkt im Anschluss – ach nee doch erst später.... das hat man gern...) noch so konzentriert und willig mitmachte.

Teba war wesentlich ruhiger, aber dennoch von Allem abgelenkt und in der Abreitehalle machte ich nur wenige Sprünge. Sehr gut gefallen hat mir, dass darauf geachtet wurde nur die jeweils 10 nächsten Reiter in die Abreitehalle zu lassen. Das war voll genug aber noch übersichtlich. Finde ich eine tolle Lösung! Leider haben manche Reiter es nicht nötig „Sprung frei“ zu rufen und somit musste ich immer besonders darauf achten wo ich gerade die elektrische Teba ritt – aber wir haben es ohne größere Schocks überstanden und befanden uns dann auch im Parcour. Hier hat sie echt Spaß gemacht, zwar war es kein Kinderspiel sie zu manövrieren (nur nicht zu viel machen – aber bloß nicht vergessen was zu machen!). Leider – aus unerfindlichen Gründen – parkte sie mir einmal vor einem grünen Oxer. Ich war sehr überrascht (vor allem das ich oben geblieben bin) und beim nächsten Anreiten sprang sie fehlerfrei. Wir beendeten den Parcours und es war mir echt wurscht, dass dieser Steher passiert war, denn die Stute lief prima. Für die Nervosität die sie morgends noch hatte, machte sie ihren Job jetzt einfach toll!

Eigentlich war ich mit ein paar netten Busch-Mädels zum Cocktail trinken verabredet, doch der Tag war so lang und nachdem wir die Pferde versorgt hatten und noch eine Tankstelle suchten, war das Bett ein großer Magnet, der keine Widerrede erlaubte. Ein bischen bereut hatte ich es Sonntags dann schon, aber ich war wenigstens bestens ausgeschlafen für die nächste Aufgabe: mein erster Geländeparcour in einer Halle!

Gespannt was mich erwartet hastete ich in die Halle, um den Parcour abzulaufen. Wooooooowww; sieht schön aus! – abgesehen von den großen Plastikkreisen mit Wasser drin, die zwischen den Hindernissen ausgelegt waren. Ob Teba schon bei der Grußaufstellung einen Herzinfarkt bekommen soll?

Aber keine Zeit sich solche Sachen aus zu malen, die 13 Sprünge wollen in der richtig Rheinfolge geritten werden, also abgehen. Über 800 Meter wa die Strecke lang. Da ist man einen Moment unterwegs. Sicherheitshalber bin ich es 2x abgegangen, um mich nicht zu verreiten. Corinna hat schon mal das Tebchen aus dem Anhänger geholt, die Ärmste ist eh an diesem Wochenende nur hin und her geflitzt und hat Pferdemanagement betrieben. Danke nochmal für Deine Hilfe!

Beim Abreiten war die Stute schon fast „wie zu Hause“ und ich hatte ein gutes Gefühl. Leider standen keine Geländesprünge zum abspringen bereit und einen Probesprung gab es in der Arena dann auch nicht. Na ja, der erste Sprung war sehr einladend das wird schon klappen.


Rechts neben Sprung 4 sieht man das runde Plastikdings mit Wasser drin.


Sprung 4 = Sprung 10 - hier sieht man das Wasser nochmal deutlicher!





Der Parcour war sehr schön aufgebaut, die Hindernisse alle fair und einladend!

Als wir die Halle betraten, schaute Teba schon recht skeptisch was das denn soll was da rum steht. Ich ritt vorsichtig in die Nähe der Plastikflächen, damit sie später nicht davor scheute. Sie war angespannt aber nicht hysterisch. Vor dem Grüßen zeigte ich ihr noch schnell die Kombination, die aus 2 Bänken bestand, die aus hellem Holz gemacht waren. Dann gings los. Der erste Sprung war unterlaufen – fängt ja gut an – ich ritt etwas agressiver, um über die Hindernisse flüssiger zu kommen und weil ein gewissen Grundtempo gefragt war. Teba fand die Idee gut – sie sprang kraftvoll los und schnurrte durch die Halle, ohne nach den Plastiksachen zu gucken;
leider fand sie die Idee ZU gut, denn sie wurde immer schneller und ich hatte Mühe sie zu manövrieren – und dann kam die enge Wendung auf die Kombination und es passierte was passieren musste, Teba machte nen Haken und setzte mich neben die Bank! Ich habe alles versucht oben zu bleiben, es kam mir vor wie endlose Minuten, an denen ich da so rum hing und vergeblich den Weg zurück in den Sattel suchte. Meine neue Weiße Weste, das erste Mal hatte ich sie an – neeeeiiiin ich will nicht in den Dreck fallen!!! Ausscheiden – neeeiiiin ich will noch weiter reiten! Aber der dicke Hintern tat wofür er da ist, er setzte sich! Tebchen stand da wie ne Kuh wenn’s donnert und betrachtete die Bank. Ich führte sie nochmal hin und klopfte sie. Ist nur ne Bank Tebchen. Das war nicht nach meinen Vorstellungen, aber weil die Vollblüterin in allen 3 Disziplinen sich so daneben benommen hatte, rundete das unser Bild nun wenigstens ab *g* Ich musste lachen, und Corinna zum Glück auch!


An dieser Bank-Kombination verlor Teba ihren Jockey ...

Nun war es an Jackomo, die Ehre der Hessen zu retten! Er war sehr motiviert, machte Unsinn in der Abreitehalle und ich freute mich auf meinen Start. Aber dann, beim Einritt in die Halle, wurde er auf einmal 10cm kleiner (nicht wie sonst 10 größer) und ich spürte deutlich seine Irritation über die Geländesprünge in der Halle.

Nachdem das Glöckchen klingelte, galoppierte er zögerlich an und trotz großer Mühe brachte ich ihn nicht so recht auf Zug. Mit steifem Hals und viel zu früh sprang er über den Stamm und erst an der nächsten langen Seite hatte er fertig geglotzt und gezögert, nun lief er frisch und fröhlich und reagierte wieder wie gewohnt auf meine Hilfen. Puh Glück gehabt! Wir sausten durch die Bahn und mit jedem Sprung steigerte sich das Spaß-Gefühl, leider waren es nur 13 wir hätten am liebsten noch eine Weile weiter gemacht!

Es gab eine 7,4 und somit wurden wir 1. Reserve. Knapp verfehlt, aber ich glaube es reicht, um sich wieder auszubuddeln ;o) Nach Beenden meines Parcours trabte ich nochmal in eine Ecke zu Sprung 5, dort lag eine Gerte. Bevor sie verloren oder kaputt geht dachte ich, heb ich sie auf. Ich lief dann mit der Gerte in der einen, und mit Jackomo in der anderen Hand zu den Zuschauern und legte dort die Gerte ab.
Aufsteigen!!! Aufsteigen!!! Raunte es aus dem Publikum. Hä? Wieso? Du bist ausgeschieden, wenn du zu Fuß den Parcour verlässt! Das hab ich ja noch nie gehört!!! Also wieder rauf... na ja, das wurde jetzt eine Spezial-Einlage fürs Publikum, da klein-Momo natürlich nicht rauf kam! Der Fotograf hielt gegen und ich krabbelte unter Ächzen und Stöhnen irgendwie auf den geduldigen Jackomo! Das gab nen Sonderapplaus ;o)

Wieso es diese Regelung gibt hab ich aber nicht verstanden. Hat jemand ne Idee?

In der Gesamtwertung kam ich mit Jackomo auf Platz 12, das ist ein OK-Start für 2010 mit genug Platz sich zu verbessern... mal sehen was die Saison so bringt, aber spaß hatten wir auf alle Fälle und das ist ja die Hauptsache!




Der Geländeplatz - bei schönem Wetter sicher ein schöner Trainingsplatz!


VIDEO DER A-TOUR
Dieses Video darf ich netterweise verlinken, ich habe mich darauf durch Zufall entdeckt und mich kaputt gelacht, dass ausgerechnet diese Sondereinlage gefilmt wurde :)

Danach kann man noch einen wunderschönen Ritt bestaunen! Viel Spaß und Danke fürs zur-verfügung-stellen!

Youtube Video

Eure Momo